An der Akademie werden Forschungsprojekte durchgeführt, die direkt oder indirekt auf Problemstellungen der medizinischen und psychotherapeutischen Praxis bezogen sind. Das beinhaltet auch deren jeweilige menschliche und technische Kontexte. Die Forschungsprojekte beruhen auf dem research and development Prinzip, sind also gleichermaßen Forschung und Erprobung von Entwicklungen, die sich aus der Forschung ergeben. So werden die Forschungsergebnisse für die Entwicklung von Methoden, Techniken und Tools genutzt und zu deren Testung und Erprobung mit der Praxis rückgekoppelt. Das gilt auch für Praktiken und Objekte, die schon andernorts entwickelt wurden und für die hiesigen Fragestellungen und Aufgaben wichtig sind.
Research Program
Artificial Intelligence and the Future of Psychotherapy
Die Phase I Studie wurde Ende 2025 mit der Veröffentlichung:
„Die Seele im Fadenkreuz von sozialen Medien und artifizieller Intelligenz – Mit einem Essay zum Dilemma der Psychoanalyse im 21. Jahrhundert“, Böhland & Schremmer Verlag, 2025, abgeschlossen.
Die Arbeit an Phase II der Untersuchung läuft seit Beginn des Jahres 2026. In Phase I standen die politischen, sozialpsychologischen und psychodynamischen Auswirkungen der vierten technologischen „Revolution“ in Gestalt der sozialen Netzwerke und der „schwachen“, generativen AI in Form der Large Language Models (LLMs) in Vordergrund der Analyse. In Phase II geht es um die psychosozialen und politischen Konsequenzen für die conditio humana bei dem bereits im Gang befindlichen Übergang von der schwachen generativen AI auf die Ebenen der starken Artifiziellen Intelligenz (AGI). Konkretisiert wird die Analyse der emergenten Entwicklungen in den Bereichen Psychotherapie und Psychoanalyse, und zwar mit Blick auf:
- Die rasanten technologischen Entwicklungen in Richtung autonomer, hoch qualifizierter und empathischer AGI- Psychotherapiesysteme.
- Die Strategien zur Durchsetzung der Maschinentherapie auf dem Markt für Psychotherapie
- Die Perspektiven für die Akzeptanz der Avatar basierten, empathischen AGI Psychotherapie bei Usern und Patienten.
Laufzeit: März 2026 bis März 2029
Informationen: Prof. Dr. Adrian Gaertner
E-Mail:
Forschungscluster: Humanoid Robots im Gesundheitswesen
Das Projekt Humanoide Roboter wurde 2022 begonnen.
In einem ersten Abschnitt wurde die Diskussion über die Bewertung des Einsatzes von HRs generell und insbesondere im Bereich von Unterstützung, Versorgung und Pflege im Gesundheitsbereich rezipiert. Sie bewegt sich auf sehr unterschiedlichem Niveau. Wir kennen Berichte über Untersuchungen, Forschungsprojekte, aber auch einseitige Statements und Kommentare. Ergänzend wurden Expertisen kompetenter Experten aus kooperierenden Forschungseinrichtungen rezipiert.
Die anschließende Bewertung der IAPN kam zu dem Ergebnis, dass jedenfalls ergänzende und unterstützende Tätigkeiten der Roboter unproblematisch ethisch vertretbar sind. Bei wachsender Autonomie stellen sich wie beim Thema der autonomen Autos ethische Fragen an die Programme und Algorithmen, die noch zu klären sind.
Das bezieht sich zunächst auf das Argument der Arbeitskräfte. Überall in Deutschland, insbesondere im Bereich der Pflege, fehlen massiv Arbeitskräfte. Roboter würden diese also nicht ersetzen sondern einen massiven Mangel zumindest ein Stück weit kompensieren. In Hinblick auf die zu versorgenden und zu betreuenden Menschen sind zwar auch skeptische Stimmen zu vernehmen. Ganz überwiegend findet sich aber Akzeptanz, wie sich an bereits tätigen Beispielen (Robbe Paro, Spielroboter Nao, Kommunikations-roboter Pepper) gezeigt hat. Auf diesem Projektstand wurden die unterschiedlichen Funktionen von HRs analysiert und differenziert.
Für diesen Einsatzbereich wurde ein Aufgabenkatalog zusammengestellt, eine Art Lastenheft, der die erforderlichen Leistungen eines solchen Roboters der Perspektive möglicher Kunden sprich Betreiber der entsprechenden Einrichtungen auflistet. Diese Liste orientiert sich insbesondere an den Aktivitäten des täglichen Lebens, wie sie im Pflegebereich als Standard gelten.
Zeitgleich wurden Informationen über alle humanoiden Roboter zusammengestellt, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind und entwickelt werden. Das beginnt in den 2000er Jahren vor allem in Japan und den USA und geht mit enormen Fortschritten bis in die aktuelle Gegenwart. Inzwischen werden auch in China, Hongkong, Indien solche Roboter entwickelt, nicht zuletzt auch in Deutschland.
Dabei sind in zwei Hinsichten große Fortschritte zu beobachten.
Zum einen in Hinblick auf die pragmatische Leistungsfähigkeit der Roboter was Sensorik, Sensitivität, Beweglichkeit, Mobilität, Handling und Umgang mit Dingen und Menschen betrifft. Sie steigert sich gerade massiv durch den wachsenden Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Zum anderen in Hinblick auf ihre rezeptiven und effektiven kommunikativen Fähigkeiten. Die neuesten Entwicklungen der Kommunikation von Menschen mit Maschinen mittels künstlicher Intelligenz, beispielhaft sei hier ChatGPT genannt, sind beeindruckend. Ohne Zweifel kann eine solche Kommunikation ermöglichen, differenzierte Aufgaben und Anweisungen verstehen und durchführen zu können und ihrerseits reaktiv/aktiv mit Menschen nachfragend oder auch proaktiv auffordernd zu kommunizieren.
Beispielhaft benennen wir hier die unseres Erachtens fortgeschrittensten Modelle. Es handelt sich um Ameca, Erica, Sophia, Atlas, Jia Jia, Apollo/ Vakyrie, Jubot, Garmi, Apollo und Optimus.
Humanoide Roboter werden nicht als einzelne Gestalten in einer ansonsten unveränderten Umgebung agieren. Das wird auch möglich sein, nutzt aber nicht die Potenziale aus, die in der Interaktion mit einer digitalisierten Umgebung bestehen. So ist leicht vorstellbar, dass Routinen programmiert werden, dass einzelne Aufträge über digitale Befehle gegeben werden, dass eine Überwachung erfolgreicher Arbeit selbsttätig geschieht und ergänzend an einem Kontrollzentrum monitorisiert wird, dass mögliche Fehlermeldungen direkt an ein Interventionszentrum weitergeleitet werden und anderes mehr. Ebenso zweckmäßig ist die Einbettung in ein passendes bauliches Milieu, das die Arbeit der HRs optimal nutzen kann.
In diesem Zusammenhang wurden ausgehend von dem aktuellen Entwicklungsstand die Vorteile im Vergleich zu menschlichen Arbeitskräften aktualisiert und resümiert. Das erschien sinnvoll und zweckmäßig, weil in den medialen Debatten ganz überwiegend Risiken des Einsatzes dieser Roboter akzentuiert werden und viel weniger die Vorzüge. Diese Vorteile humanoider Roboter sind:
- Sie lassen sich auf jede bekannte Sprache hin einrichten und müssen diese nicht erst lernen
- sie unterliegen keinen Stimmungsschwankungen, sind nicht schlecht gelaunt, boshaft, unaufmerksam, erschöpft oder krank
- die können im Prinzip sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz sein, d.h. 168 Stunden je Woche , das Vierfache einer menschlichen Arbeitskraft
- sie brauchen keinen Urlaub und haben keinen Ausfall durch Krankheitszeiten, was zusammengenommen im Durchschnitt etwa zwei von zwölf Monaten pro Jahr ausmacht
- die „Resilienz“ und Ausdauer der HRs bringt im Vergleich zu menschlichem Personal auch wirtschaftliche Vorteile mit sich, abhängig von den Kosten für Anschaffung und Betrieb.
- ihre ganzen Kompetenzen und ihre Bedienbarkeit, ihre Gestalt, ihr Design, ihre Haptik, ihr Geruch und alle ihre Anmutungen lassen sich nach Bedarf und Wunsch und nach milieuspezifischer und kulturspezifischer Akzeptanz gestalten und modifizieren
- sie sind nicht infizierbar und übertragen keine Krankheiten
Es gibt inzwischen in Deutschland zahlreiche Einrichtungen, die zur Probe oder auch dauerhaft humanoide Roboter zu Betreuung und Kommunikation einsetzen.
Wir sind mit einigen dieser Einrichtungen in Verbindung getreten und haben dort vor Ort, in der Kommunikation mit Vertretern dieser Einrichtungen und aus der Übersicht über Untersuchungsergebnisse zu Akzeptanz und Wirkung gelernt, dass eine unterstützende Nutzung dieser Roboter zweifellos hilfreich und nützlich ist.
In Entwürfen und Konzepten zur weiteren Vertiefung dieser Arbeit haben wir entwickelt, welche genaueren Anforderungen an diese Roboter und ihre Nachfolger in der sozusagen nächsten Generation zu stellen sind. Das betrifft insbesondere ihre kommunikativen Fähigkeiten und die Sensorik. Erstere haben sich durch Nutzung künstlicher Intelligenz und ihre Sprachmodelle in den letzten Jahren massiv verbessert.
Was die Sensorik im Umgang mit Menschen betrifft, gibt es noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Hier sollen in einem weiteren Forschungsschritt die neuesten Roboter-Modelle untersucht und getestet werden. Das betrifft Modelle aus Deutschland, den USA und China, die in den letzten zwei Jahren entwickelt wurden und in Erscheinung getreten sind.
Forschungscluster: Helle und dunkle Kommunikation
Kommunikation, ob analog oder digital, bewegt sich immer in einem Spektrum des Bezugs zur Wirklichkeit. Auf der einen Seite steht die aufklärerische Absicht, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen, um über die Wirklichkeit wahrhaftig mit anderen zu kommunizieren. Auf der anderen Seite steht die manipulative Absicht ungeachtet der Wahrheit andere über die Wirklichkeit und über sich selbst wirksam zu täuschen. Ist das eine das Bestreben der Philosophie, ist das andere das Bestreben der Kriegsführung, der Politik und vielleicht auch der Geschäftswelt.
In Orientierung am Bild des Schatten nach CG Jung, der uns Menschen als dunkle Seite immer folgt und von dem wir uns nicht lösen können, und orientiert am Bild von Yin und Yang, von der Verbindung von Gegensätzen, die im Bild des hellen und des dunklen Halbreises gefasst werden, sprechen wir von der hellen und der dunklen Kommunikation. Die helle bemüht sich in der Tradition der Aufklärung mithilfe kausaler und statistischer Methoden darum, zu sagen was wirklich der Fall ist. Die dunkle verwirrt mit der Vielzahl ihrer so genannten Narrative zu manipulativen Zwecken der politischen und medialen Einflussnahme und verführt zu Beliebigkeit, Stimmungsgetriebenheit und falschen Entscheidungen.
Das Projekt recherchiert philosophische, sozialwissenschaftliche, kommunikationspsychologische und sozialpsychologische Literatur und Forschungsberichte zu diesen Themen. Es hat einen umfangreichen Bestand hierzu aufgebaut und zahlreiche diverse Einzelanalysen zu Fällen durchgeführt. Es setzt die Forschungsarbeiten insbesondere zur sogenannten dunklen Kommunikation, die sich ja wie der Name sagt gerne verbirgt, laufend fort und bietet hierzu Trainings und Weiterbildung an.
Psychische – und psychosomatische Erkrankungen von jungen Musikerinnen und Musikern
Eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Pilotstudie
Im deutschsprachigen Raum gibt es gibt es gegenwärtig 20 Einrichtungen für Musikermedizin/Musikergesundheit an Musikhochschulen und Universitäten. Alleine in Deutschland sind es 14 Institute, von denen einige neben Ambulanzen für Diagnostik, Therapie und Beratung auch Forschung betreiben. Hinzu kommen Forschungsbereiche am Max-Planck- Institut in Frankfurt und an der Kronberg Akademie.
Das Spektrum der Musikererkrankungen ist außerordentlich breit. Es reicht von Muskuloskelettalen Störungen (PRMD) wie zum Beispiel: HWS- Syndrom, Schulter – Arm Syndrom (Zervicobrachialgie), über inflammatorische Erkrankungen z. B. Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis), Arthritis der Fingergelenke, Karpaltunnelsyndrom bis zu Hörschäden und Lärmtrauma sowie zu neurologischen Störungen, z. B. Musiker Dystonie. Bei den im engeren Sinne psychologische Störungen werden eine erhöhte Depressionsprävalenz von Musikern, die Auftrittsangst sowie gelegentlich auch das Überlastungssyndrom durch zu intensives Üben in den Studien erwähnt. Andere verbreitete Symptomcluster wie z. B. Essstörungen (Bulimie/Anorexie/Hyperphagie), selbstverletzendes Verhalten, generalisierte Angststörung, Zwangserkrankungen etc. werden nicht angemessen berücksichtigt.
Zwei Probleme sind kennzeichnend für den aktuellen Forschungsstand zu Musikererkrankungen:
- Wie u. a. an der Übersichtsarbeit zu den Forschungsergebnissen im Bereich PRMD von (L. Cerda-Díaz, M. Antúnez-Riveros et al. 2026) deutlich wird, streuen die Forschungsergebnisse zu Prävalenz und Inzidenz der Musikererkrankungen extrem: zwischen 39% und 93%, wobei Frauen, Streicher und Pianistinnen stärker betroffen sind.
- Im Unterschied zu den somatischen Krankheitsbildern, sind die psychischen und vor allem die psychosomatischen Problembereiche in der Forschung signifikant unterrepräsentiert. Und das obwohl die klinische Erfahrung nahe legt, dass alle oben gelisteten somatischen Störungen beinahe ausnahmslos psychische und oder psychosomatische Symptomatiken zur Folge haben.
Gegenstand und Methode der Studie
In der Studie stehen zwei Aspekte im Vordergrund:
- Die biografische Entwicklung der Probanden im familiären und außerfamiliären Kontext mit besonderer Berücksichtigung der Rolle/Bedeutung der Ausbildung für ein Musikinstrument für die psychische- und soziale Entwicklung der Persönlichkeit in Kindheit, Pubertät und Adoleszenz.
- Die differenzierte Untersuchung der Entwicklung von pathogenen somatischen und psychischen Störungen im Verlauf der Biografie mit besonderer Berücksichtigung der spezifischen körperlichen und mentalen Anforderungen, die mit der künstlerischen Ausbildung verbunden sind.
Methodisch beruht die Studie auf der systematischen Auswertung von entwicklungspsychologisch fokussierten psychoanalytischen Tiefeninterviews mit jungen Erwachsenen, die sich in einem Musikstudium befinden. Die Probanden werden durch einen entsprechenden Aushang an den Musikhochschulen rekrutiert. Die Tiefeninterviews werden auf Tonträger aufgezeichnet und verschriftet. Anschließend werden sie nach der von Ulrich Oevermann entwickelten Methode der objektiven Hermeneutik sequenziell analysiert und fallhypothetisch kondensiert. Im Anschluss daran werden die Fallhypothesen zur Entwicklung von typologischen Theoriedesideraten bezüglich der Entstehung und der Psychodynamik von psychischen und psychosomatischen Belastungen und Risikofaktoren einerseits, sowie von Bewältigungs- sowie Resilienzfaktoren, die sich im Musikstudium manifestieren andererseits, herangezogen.
Insgesamt werden ca. 40 Probanden, hauptsächlich Streicher und Pianisten, die an verschiedenen Musikhochschulen im Bachelor oder Masterstudium sind, in die Untersuchung einbezogen.
Laufzeit der Studie: April 2026 bis Dezember 2028
Nähere Informationen:
Forschungscluster Kulturanalysen: Projekt China
Die Akademie befasst sich schon seit Jahren mit dem Forschungsfeld China. Dazu wurde eine Reihe von Fragestellungen entwickelt. 2023 wurden Teile dieser Arbeiten und Ergebnisse veröffentlicht. Professor Wolf hat diese unter dem Titel „Chinas Renaissance. Über die Kunst gleich zu bleiben und sich rasant zu verändern“ beim LIT- Verlag/Münster publiziert.
Neben den inhaltlichen Fragestellungen hat uns auch der sozialpsychologische Aspekt beschäftigt. China ist nach wie vor Projektionsfläche negativer Vorstellungen und Vorurteile, die man hierzulande hat. Das hat zum Ergebnis, dass es drei Richtungen der wissenschaftlichen und journalistischen Literatur zu China gibt: eine eher kulturanalytisch-verstehende (meistens Sinologen), eine sehr chinakritische, tendenziell polemische (meistens Journalisten und Politiker) und eine sozusagen mittlere Position, die verstehend und auch kritisch ist oder sein möchte.
Die rasante Entwicklung Chinas hin zur regionalen oder gar globalen Dominanz in wirtschaftlicher und technologischer Hinsicht, wird ohne solche Projektionen und projektiven Abwertungen und Verurteilungen nur von wenigen Autoren thematisiert. Das sind zum Beispiel „China First“ von Theo Sommer (2019), „China verstehen“ von Robert Fitztum (2019), „Die Chinesen“ von Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron (2019), „Das chinesische Jahrhundert“ von Wolfram Elsner (2020). Andere sind jedenfalls empathisch und lassen die Umrisse einer neuen Stellung Chinas in der Welt, in einer neuen Weltordnung, wie exemplarisch Henry Kissinger (2014) das nennt, sichtbar werden. Oder informieren fortwährend durchaus wertschätzend über neuere Entwicklungen in China auch in technologischer und wissenschaftlicher Hinsicht wie Wolfgang Hirn auf seiner website „chinahirn“.
Für diese unterschiedlichen Perspektiven spielt der Zeithorizont eine große Rolle. er deutsche Jurist und Sinologe Harro von Senger, der auch detaillierte Analysen des „Sinomarxismus“ vorgestellt hat, befasst sich mit dem besonderen Zeithorizont gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen in China. Unter dem Titel „Supraplanung“ (2008) zeigt er, welche Zeithorizonte die Planungen zu wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in China haben. Sie sind unvergleichlich größer, als man sie aus Europa oder den USA kennt, wo aus Gründen eher kurzfristiger Rendite oder kurzfristig anstehender Wahlen zeitnahe Planungsperspektiven oftmals Vorrang haben. China dagegen plant jetzt schon seinen Entwicklungsstand für das Jahr 2049, an dem sich der Sieg der KP Chinas über die Guomintang zum 100. Male jährt.
Eine nicht mit Vorurteilen belastete Perspektive auf China scheint angesichts der neuesten wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen nur realistisch. Niall Fergusen, Dambisa Moyo, Parag Khanna, Martin Jacques und andere (vgl. das Buch von Wolf über China, 2023) nehmen an, dass Asien und insbesondere China für viele in Modernisierungsprozessen befindliche Länder ein attraktiveres Modell sein könnte als der „Westen“ und auch deshalb in den kommenden Jahrzehnten die führende Weltmacht werde.
In technologischer Hinsicht hat es inzwischen in vielen Bereichen mit den USA gleichgezogen oder diese schon überholt. Deshalb wird im „Projekt China“ zunächst die Veränderung der chinesischen Wirtschaft hin zu einer Hochtechnologie-Wirtschaft recherchiert und nachgezeichnet. Ein Beispiel für die Veränderung der chinesischen Wirtschaft hin zu einer Hochtechnologie Wirtschaft ist die Entwicklung der chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge und ihr inzwischen deutlicher Technologievorsprung gegenüber denjenigen, an den sie sich früher orientiert hatte. Ganz umfassend ist es die Entwicklung der Metropole Shenzhen zu einer hoch elektrifizierten und automatisierten, digital gesteuerten und zugleich klimaschonenden Agglomeration.
Dabei spielt das Thema der Kreativität und Innovation eine zentrale Rolle. Im Buch von Wolf und auch von anderen Autoren wird die Frage aufgeworfen, ob Kreativität in einer tendenziell autoritativen Gesellschaft genug Entwicklungspotential habe. Dieser kritischen These steht eine andere gegenüber, die der AI-Experte Kai-Fu Lee in seinem Buch mit Hinweis auf die sehr harte Konkurrenz beantwortet hat. Diese Konkurrenz schon in China zwingt die Unternehmen zu innovativen und kreativen Problemlösungen, um sich durchzusetzen. Sie sind dann gleichermaßen innovativ wie auch in anderen Märkten konkurrenzfähig.
Das gleiche gilt auch aktuell für die Robotik und konkret hier für humanoide Roboter. Waren früher – wie wir in unseren Recherchen festgestellt und in den vorliegenden Berichten dargestellt haben – Japan, Hongkong, auch schon die USA und einige andere Unternehmen und Länder führend so sind es inzwischen Robotik Unternehmen aus China.
Die Fokussierung auf dieses spezielle Thema vertieft und erweitert damit zum einen den Blick auf die technologische und wirtschaftliche Entwicklung in China in jüngster Zeit und in der Gegenwart und sie ist ein verknüpft mit dem Forschungscluster humanoide Roboter, weil die Entwicklung hierzu derzeit in China rasant ist.
